Europa, Land, Osteuropa, Schlösser & Burgen

Transsilvanien

9. März 2017
Transsilvanische Alpen

Was macht Sibiu als Reiseziel so attraktiv?

Dem Otto Magzin AT verrieten wir warum die transsilvanische Stadt ein ideales Reiseziel ist, wenn man keine Lust auf Touristenmassen und die altbekannten Sehenswürdigkeiten der überlaufenen europäischen Städte hat. Hier erfahrt ihr in einem kurzen Überblick mehr! 

Sibiu in Transsilvanien: Anreise & Unterkunft

Mit Lufthansa gings von München aus direkt nach Sibiu (Hermannstadt) im Süden Transsilvaniens. Wir nahmen uns wie immer ein praktisches Mietauto. Die erste Nacht verbrachten wir im Continental Forum Hotel, direkt an der historischen Altstadt gelegen. Die anderen Nächte bezogen wir das beste Hotel der Region, das Hilton Sibiu. Beide Hotels waren für rumänische Verhältnisse wohl recht gut, jedoch keinesfalls mit den Häusern gleicher Kategorie in anderen europäischen Ländern zu vergleichen. Besonders ärgerlich waren die Hotel-„Zwangsheizungen“, die uns überall schlaflose Nächte bereiteten und nicht individuell abgeschalten werden konnten. Ob es in Rumänien wohl als besonderer Luxus gilt, seine Gäste permanent mit 28° warmer Luft zu beglücken?

Sibiu Fußgängerzone

Warum begegnet man so viel Deutschem?

Sibiu, zu Deutsch Hermannstadt, liegt im Zentrum Transsilvaniens (Siebenbürgens), mittig in Rumänien. Die Stadt wurde neben sechs weiteren Orten im 12. Jahrhundert von den Siebenbürger Sachsen gegründet. Diese waren wohl aus Not u.a. aus mittelrheinischen Gebieten, Flandern, Luxemburg und auch aus Bayern dorthin ausgewandert. Hermannstadt entwickelte sich rasch zu einem großen internationalen Handelszentrum und war bald eine der wichtigsten Städte Siebenbürgens. Besonders bemerkenswert war ihre Befestigungsanlage, die Sibiu vor der Türkenbedrohung erfolgreich schützen konnte. Hermannstadts Geschichte ist, wie die ganz Siebenbürgens, eine wechselvolle. Einst Teil des ungarischen Königreichs, dann angegliedert an Österreich, ab 1918 zu Rumänien gehörend, hatten es die Siebenbürger Sachsen nicht immer leicht. Nach 1989 nahm die Zahl der deutschen Einwohner rapide ab – die Mehrzahl verließ Rumänen und ging nach Deutschland. Heute leben in Sibiu nur noch knapp über 1000 Siebenbürgendeutsche. Bis heute sind alle Ortsschilder und Straßennamen sowohl auf Rumänisch als auch auf Deutsch verfasst. Außerdem gibt es viele deutsche Läden, Buchhandlungen und Gaststätten mit deutschen Namen.

Sibiu Hermannstadt Kirchturm

Bester Blick über Hermannstadt

Um die Stadt einmal von oben zu erfassen, lohnt sich ein Ausflug auf die Evangelische Stadtpfarrkirche Sibius. Den Blick herab muss man sich allerdings erst verdienen. Gegen eine kleine Eintrittsgebühr geht es über wackelige, wenig stabil wirkende Metalltreppen ohne Sicherung hoch hinauf. Als wir hinaufstiegen, waren auch noch ein paar Handwerker mit der Flex zugange und ließen beinahe einen glühenden Funkenregen direkt auf uns herab. Hat man sich dann über die waghalsige Konstruktion neben vielen ekligen Kirchturm-Tauben hochgequält, wird man bei gutem Wetter mit einer Aussicht bis auf die verschneiten Südkarpaten belohnt.

Evangelische Kirche Sibiu

Hündchen in Sibiu

Transsilvanien // Siebenbürgen: Fahrt übers Land

Um zu unseren Ausflugszielen zu gelangen, mussten wir teilweise stundenlang über brüchige Landstraßen fahren, die durch unzählige Dörfer führten. Obwohl wir mit dem Wetter wieder einmal unglaubliches Glück hatten, bot sich uns ein oft erschreckender Anblick. Bereits wenn man die innerste Altstadt Sibius verlässt, zeigt sich wie heruntergekommen der Großteil der Häuser ist. Auf den Dörfern fühlt man sich dann wie auf Zeitreise. Abseits der einen „Hauptstraße“ versinkt in der Regel alles im Schlamm. Die Häuser sind meistens wahnsinnig dreckig und haben wohl noch nie eine Renovierung erlebt. In vielen Gärten und Höfen türmen sich Abfallberge und überall hüpfen Hühner und anderes Kleintier herum. Besonders erstaunt waren wir von den alten Pferdewägen, die einem alle paar Minuten auf den Straßen begegnen.

Landschaft in Transsilvanien

Dorf Transsilvanien

Wurmloch

Schafherde Transsilvanien

Impressionen aus dem Land

Castelul Corvinilor in Hunedoara // Eisenmarkt

Eine der Hauptattraktionen in Siebenbürgen ist das Schloss Hunedoara, Castelul Corvinilor. Die Anlage wurde im 15. Jahrhundert auf den Resten einer Wehranlage aus dem 14. Jahrhundert erbaut und unter anderem vom ungarischen König Matthias Corvinus bewohnt. Von diesem war Vlad III. Drăculea, das historische Vorbild für die Romanfigur Dracula, Mitte des 15. Jahrhunderts in Hunedoara eingekerkert. Auf diese bekannte „Kultfigur“ konzentriert man sich in ganz Transsilvanien bis heute – vor den Schlössern und Burgen sind überall zahlreiche Stände mit Dracula Souvenirs. Die Gegend um das an sich beeindruckende Castelul Corvinilor ist weit weniger pittoresk – man befindet sich inmitten von verfallenen Industrieruinen, qualmenden Schornsteinen und längst verfallenen Wohnhäusern. Nachdem mach eine Fotolizenz erworben hat, kann man sich im Schloss frei bewegen und alles nach Lust und Laune ablichten.

Transsilvanien Schloss Corvin

Innenhof Schloss Corvin

Schloss Corvin

Hunedoara Industrieruinen

Deva // Diemrich

Nicht weit entfernt von Hunedoara liegt Deva oder Diemrich, wie der deutsche Name der Stadt lautet. Das Highlight der ansonsten furchtbar hässlichen Stadt ist die massive Burgruine auf einem knapp 400 m hohen Vulkankegel. Hinauf gelangt man über einen praktischen Schrägaufzug, der unserer Einschätzung nach leider wieder einmal etwas vernachlässt wird – die Seile sind bereits stark verrostet. Ansonsten ist die Devaer Burg gut in Schuss. 2014 wurde eine umfangreiche, größtenteils von der EU finanzierte Restaurierungsmaßnahme abgeschlossen, die die historische Anlage vor dem Verfall rettete.

Deva Transsilvanien

Burg von Deva

Deva in Transsilvanien

Deva Diemrich

Sighișoara // Schäßburg

Auf keinen Fall verpassen wollten wir Schäßburg, eine der wichtigen Gründungsstädte der Siebenbürger Sachsen. Der Ort liegt etwa zwei Fahrstunden nordwestlich von Hermannstadt und gilt als Geburtsort „Draculas“ – in dem leuchtend gelben Haus neben dem großen Stundturm soll er das Licht der Welt erblickt und seine ersten Jahre verbracht haben. Den besten Blick über die Stadt hat man von eben jenem Stundturm, dem Wahrzeichen der Stadt, aus – heute beherbergt er das Stadtmuseum. Weitere Sehenswürdigkeiten sind vor allem die Schäßburger Bergkirche mit der einzigen Krypta Rumäniens und der ebenfalls auf dem Hügel liegende deutsche Friedhof.

Deva in Transsilvanien

Schäßburg Transsilvanien

Altstadt von Schäßburg

Das ASTRA Freilichtmuseum in Sibiu

An unserem Abreisetag machten wir noch einen Abstecher ins Freilichtmuseum ASTRA. Mit über 400 Gebäuden (vor allem Mühlen, Holzkirchen und traditionelle Gehöfte) zählt es zu den größten Freilichtmuseen Europas. Es liegt in einem schönen Naturschutzgebiet im Süden Sibius, verfügt über einen großen Natursee und viele Wasserläufe. Im Sommer sicher ein Paradies!

Astra Freilichtmuseum See

Astra Freilichtmuseum

Kulinarische Highlights in Sibiu

Wenngleich die Stadt vielleicht nicht so viel Unterhaltung und Sehenswürdigkeiten zu bieten hat wie andere europäische Orte, ist Hermannstadt das perfekte Ziel für Liebhaber kulinarischer Highlights. Da es in Siebenbürgen im Vergleich zu westeuropäischen Städten unfassbar günstig ist, testeten wir jeden Abend andere Restaurants, die auf Tripadvisor besonders gut bewertet worden waren. Zwei Restaurants können wir besonders empfehlen. Zum einen das Syndicat Gourmet. Es liegt in einer unscheinbaren Seitenstraße der Altstadt, hat nur 6 Tische in einem gemütlichen Raum und war rundum perfekt. Die Küche ist eine experimentelle Mischung aus Indisch, Italienisch und lokalen Einflüssen. Jedes Gericht unserer probierten Vorspeisen-, Haupt-, und Nachspeisen-Gerichte hatte das gewisse Extra. Das zweite sehr zu empfehlende Restaurant ist das Benjamin Steakhouse, ebenfalls in der Altstadt in einer Seitenstraße der Fußgängerzone. Dafür mussten wir allerdings zwei Tage vorher reservieren, denn als eines der besten Lokale der Stadt ist doch immer etwas los. Highlights dort: unfassbar leckeres Rindertartar, ein perfekt medium gebratenes Steak, Cold Roast Beef Salat und Cocktails!

Sibiu kulinarisch

Unser Fazit

Ein Trip durch Transsilvanien ist höchst spannend. Wir hatten zwar letztlich nur Zeit für den Süden und Westen, da es doch immer relativ lange Strecken sind, die man meist über holprige Landstraßen bewältigen muss. Einen Eindruck vom Land konnten wir uns so aber auch gut verschaffen. Die Landschaft mit den Wäldern, Hügeln und schneebedeckten transsilvanischen Alpen wäre traumhaft – würde nicht all der Müll und Dreck nahe der Straße und in den Dörfern herumliegen. Hochinteressant sind die Burgen und vor allem die Städte mit den Spuren ihrer siebenbürgendeutschen Geschichte. In den Hotels, Restaurants, Läden und an den Sehenswürdigkeiten sprachen übrigens alle super Englisch. Die Verständigung ist also absolut kein Problem.
Unser Fazit: Ein Ausflug nach Transsilvanien ist für Abenteuerlustige, historisch Interessierte und Liebhaber guten & günstigen Essens absolut zu empfehlen. Schön wäre bestimmt auch ein sommerlicher Reisezeitraum. Das testen wir dann bei unserem nächsten Besuch.

Sibiu International Airport

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